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„Wenn ein mögliches Geschäft mit unseren Unternehmenswerten kollidiert, verzichten wir darauf.“ Stephan Heimbach, Leiter Konzernkommunikation und Politik bei Siemens, eröffnete die „Fachtagung Krisenkommunikation“ mit einem starken Statement. Der PR-Chef der Münchner referierte zum Auftakt im Düsseldorfer Lindner Congress Hotel über „Compliance Communication“. Zwei Leute in Heimbachs Team kümmern sich ausschließlich darum, die Konsequenzen, die Siemens aus der Korruptionsaffäre gezogen hat, nach außen und innen zu kommunizieren. Damit hat der Konzern es geschafft, die Diskussion rund um schwarze Kassen von einem Krisenthema zu einem der Unternehmenskultur zu machen. „Die Unternehmenskultur war und ist bei Siemens intakt. Was wir hatten, war eine Krise der Führungskultur“, so Heimbach.

Seiner Keynote auf der Auftaktveranstaltung der Tagungsreihe K2, einer Kooperation des prmagazins und der scm, folgte ein Referat von Michael Scheuermann, Leiter News und Issues Management bei BASF. Er stellte den mehr als 60 Teilnehmer aus Kommunikations- und Pressestellen verschiedener Unternehmen und Organisationen das Wiki-zentrierte Themenmanagement des Chemiekonzerns vor, das im besten Fall dafür sorgt, für das Unternehmen relevante Issues frühzeitig zu erkennen – wie beispielsweise das vermeintlich durch einen Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln mit verursachte Bienensterben diesen Sommer in Deutschland. Frühzeitig erkannt, kann der Konzern Gegenmaßnahmen treffen, um ein kritisches Thema nicht zu einer veritablen Krise ausarten zu lassen. „Informiertheit, Offenheit und Mut sind wesentliche Kriterien für die Bewältigung einer Krise schon im Vorfeld“, so Scheuermann.

Wie verantwortliche Kommunikatoren Krisen eindämmen, eine One-Voice Policy sicherstellen und die Glaubwürdigkeit ihrer Organisation nach einer Image-Delle wieder herstellen können, zog sich als roter Faden durch die Vorträge von Oliver Schumacher (Deutsche Bahn), Philipp Schindera (Deutsche Telekom), Dieter Schweer (schweer. Executive solution) und Geraldine Schröder (Vattenfall Europe). Grundvoraussetzung für die erfolgreiche kommunikative Bewältigung einer Katastrophe, waren sich die Experten einig, ist die Stellung und Vernetzung der Unternehmenskommunikation in der Organisationsstruktur. Die Kommunikation müsse sich auf den Rückhalt des Vorstands verlassen können, führen und auch unbequeme Entscheidungen durchdrücken. „Seien Sie mutig!“, rief Telekom-PR-Chef Schindera den Kollegen zu.

Wie man mit dem Internet als Krisenbeschleuniger umgehen muss, brachte Prof. Dr. Thomas Pleil (Hochschule Darmstadt) dem Auditorium näher. Er betonte die Bedeutung des Mediums für Unternehmen und warnte davor, Online-Medien in ihrer Wirkung und Reichweite zu unterschätzen. Besonders wichtig: Online-Kommunikation halte sich an keine starrren Arbeitszeiten einer Pressestelle. Die meisten Einträge in Blogs gebe es zwischen 20 und 21 Uhr. „Dann muss jemand da sein, um die relevanten Blogs zu beobachten“, gab der Wissenschaftler den Praktikern mit auf den Weg.

Dr. Gerald Neben (KNPZ Rechtsanwälte) wies in seinem Vortrag darauf hin, die Rechtsabteilungen in Unternehmen sowohl beim Tagesgeschäft als auch in Krisensituationen einzubeziehen. Er sprach sich für eine Kooperation von PR- und Rechtsabteilungen aus und gab praktische Tipps für den Umgang mit Medien.

Den Blick des Journalisten auf Unternehmen, die in der Krise oft hilflos oder falsch reagieren, bot der Journalist Georg Meck. Er bat die Teilnehmer aus Pressestellen und Kommunikationsabteilungen um Offenheit, Ehrlichkeit aber vor allem darum, in Krisensituationen erreichbar zu sein, um Informationen schnell an die Öffentlichkeit weitergeben zu können. Kommunikateure sollten die Berichterstatter nicht als Gegner sondern als Partner begreifen, mit deren Hilfe der Informationsfluss vom Unternehmen zur Öffentlichkeit sichergestellt wird.

Nach den Vorträgen diskutierten Philipp Schindera, Dr. Gerald Neben und Michael Scheuermann mit dem Moderator Wolf-Dieter Rühl im Rahmen des Abschlusspodiums unter anderem über die Frage, ob eine ideale Krisenprävention mittels ausgefeilter Krisenpläne überhaupt möglich ist. Dabei wurde wiederum deutlich, dass Ausnahmesituationen schon per Definition kaum berechenbar sind. Trotzdem sollte sich jedes Unternehmen ausreichend auf Krisen einstellen. Telefonlisten, Sprachregelungen und Ablaufpläne vorzuhalten beziehungsweise in Übungen ständig zu verfeinern, erleichtere die Arbeit im Ernstfall ungemein.

Teilnehmer der Tagung befanden die Themen als eine „gute Mischung aus Theorie und Praxis. Die Tagung hat Mut gemacht, das Thema „Krise“ entschieden und interdisziplinär anzugehen.“

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